Predigt

Pre|digt ['pre:dɪçt], die; -, -en:
1. während des Gottesdienstes gehaltene religiöse Ansprache:
er hat gestern die Predigt gehalten.
Zus.: Grabpredigt, Osterpredigt, Weihnachtspredigt.
2. (ugs.) Ermahnung, Vorhaltungen:
du kannst dir deine Predigt sparen.

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Pre|digt 〈f. 20
1. Ansprache des Geistlichen im Gottesdienst, meist von der Kanzel, über einen Bibeltext
2. 〈fig.; umg.〉 ermahnende Rede
● die \Predigt halten; jmdm. eine \Predigt halten 〈fig.; umg.〉 [<ahd. brediga;predigen]

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Pre|digt , die; -, -en [für mhd. bredige, ahd. brediga]:
1. über einen Bibeltext handelnde Worte, die der od. die Geistliche – meist von der Kanzel herab – im Gottesdienst o. Ä. an die Gläubigen richtet:
eine erbauliche, gehaltvolle P.;
die P. halten.
2. (ugs.) Ermahnung, Vorhaltungen, ermahnende Worte:
deine P. kannst du dir sparen.

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Predigt
 
[althochdeutsch brediga, zu lateinisch praedicare »öffentlich ausrufen«, »verkündigen«], in den christlichen Kirchen die öffentl.Verkündigung der biblischen Botschaft (des Wortes Gottes); im engeren Sinn die Kanzelrede während des Gottesdienstes. Sie ist in der Regel an verbindlich vorgeschriebene Bibeltexte (Perikopen) gebunden und wird theologisch als »Übersetzung« der biblischen Botschaft in den Sprach- und Lebenskontext der konkreten christlichen Gemeinde verstanden. Ihre Ziele sind die Stärkung im beziehungsweise die Einladung zum Glauben und die Vermittlung der christlichen (kirchlichen) Lehre.
 
 
Die Institutionalisierung des Predigtamtes durch die Kirche wurde zunächst durch die Frage nach der rechten Lehre (als Abgrenzung gegenüber Häresien) und der damit verbundenen eigenen Identitätsfindung der christlichen Kirche hervorgerufen. Die häufig an das Alte Testament gebundenen Textpredigten der frühen Christen sind geprägt von den Stilmitteln der hellenistischen Rhetorik sowie von den Regeln und Formen der rabbinisch-synagogalen Schriftauslegung. Zu den großen Predigern der ersten Jahrhunderte zählen Origenes, Johannes I. Chrysostomos und Augustinus. Zunehmende Bedeutung gewann die Predigt im Gefolge der karolingischen Renaissance und durch die von Wanderpredigern und von Bettelorden verbreitete mittelalterliche Reformbewegung. Die Predigt war Instrument der Mission und Medium der öffentlichen Kommunikation überhaupt.
 
Bis in die Zeit der Reformation stand die Volkspredigt (J. Geiler von Kaysersberg, später auch Abraham a Sancta Clara) im Mittelpunkt der politischen und religiösen Bildung, da sie sich nicht mehr der lateinischen, sondern der Volkssprache bediente. M. Luther verstand die Predigt als die »lebendige Stimme des Evangeliums« und daher als »kein menschliches Werk«. Die schriftgemäße Predigt wurde bei den Reformatoren zum Zentrum des evangelischen Gottesdienstes. Wachsende Bedeutung erlangte die Predigt auch in der katholischen Kirche zur Zeit der Gegenreformation: Durch das Konzil von Trient wurden die Pfarrer verpflichtet, regelmäßig an Sonn- und Feiertagen die Schrift auszulegen.
 
Die neuzeitliche Gestalt der Predigt ist v. a. von Pietismus und Aufklärung geprägt. Der Pietismus betonte die persönliche Heilsaneignung und -gewissheit des Einzelnen und rief durch die Predigt zu engagiertem Glauben und demgemäßem Handeln und Leben auf. Die Aufklärung verband in der Predigt stärker rationale und allgemein moralische Elemente mit der Forderung nach gelebtem Glauben zu erbaulichen Reden mit pädagogischer Tendenz. F. D. E. Schleiermacher betonte darüber hinaus die Einbindung der Predigt als »religiöser Rede« in die Liturgie. Mit der liberalen Theologie flossen Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts neben einer Bejahung der historisch-kritischen und religionswissenschaftlichen Bibelbetrachtung auch Erkenntnisse der modernen Humanwissenschaften (Psychologie, Soziologie, Pädagogik) in das Predigtverständnis mit ein, seit den 1960er-Jahren zudem die Erkenntnisse der modernen Kommunikationsforschung. In der katholischen Kirche erhielt die Predigt neue Impulse durch die Liturgiereform seit dem 2. Vatikanischen Konzil. Im Gottesdienst der Ostkirchen tritt sie heute, ungeachtet bedeutender orthodoxer Prediger der Neuzeit (Dmitrij von Rostow, Tichon von Sadonsk, Johann von Kronstadt), in der Regel hinter die übrigen liturgischen Vollzüge zurück.
 
 
P.-Studien, hg. v. E. Lange u. a., Beiheft 1: Zur Theorie u. Praxis der P.-Arbeit (1968);
 K. C. Felmy: P. im orth. Rußland (1972);
 G. Otto: P. als Rede (1976);
 
P. Texte zum Verständnis u. zur Praxis der P. in der Neuzeit, hg. v. F. Wintzer (1989);
 H. W. Dannowski: Kompendium der P.-Lehre (21990);
 
Die dt. P. im MA., hg. v. V. Mertens u. H.-J. Schiewer (1992);
 R. Bohren: P.-Lehre (61993).
 

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Pre|digt, die; -, -en [für mhd. bredige, ahd. brediga]: 1. über einen Bibeltext handelnde Worte, die der Geistliche - meist von der Kanzel herab - im Gottesdienst o. Ä. an die Gläubigen richtet: eine erbauliche, gehaltvolle, besinnliche, langweilige P.; die P. ausarbeiten; heute wird der Dekan die P. halten. 2. (ugs.) Ermahnung, Vorhaltungen, ermahnende Worte: deine P. kannst du dir sparen; ich bin deine endlosen -en leid; Halt mir jetzt bloß keine P. (Danella, Hotel 39).

Universal-Lexikon. 2012.

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